HEITER BIS WOLKIG

    Wenn die Pasta nach Nudeln schmeckt

    Reisekolumne von Uwe Bahn  -  26. Mai 2007

    Gerade komme ich von einer Kreuzfahrt zurück. Mit mir an Bord: zweitausend Deutsche. Zweihundert von Ihnen hätte ich gern über die Reling gestoßen. Ihr Urlaub bestand zwölf Tage nur aus einer einzigen Tätigkeit: Nörgeln. Bevor ich in das erste Brötchen biss, nörgelten sie schon. Gern hätte ich mit Finnen am Tisch gesessen oder mit Griechen. Meinetwegen auch mit Amerikanern. Aber nicht mit dieser Fraktion von Landsleuten, von denen ein harter Kern leider aus Hamburg kam. Sobald einer der philippinischen Bediensteten ihr Geschirr nicht rechtzeitig abräumte, kontaktierten sie die nächsthöhere Instanz. Ihre Digitalkamera hatten sie nur dabei, um Mängel zu fotografieren: raue See, bewölkten Himmel, schattiges Deck. Übrigens: Elf von zwölf Tagen waren wolkenlos.Warum fahren diese Menschen nicht gleich mit ihrem Anwalt in die Ferien? Und dennoch möchte ich gern ein paar Dinge nachtragen, die diese Deutschen übersehen haben. Echte Mängel, die ich sie an dieser Stelle wissen lassen möchte.

    Beginnen wir mit dem Frühstück. Immer wenn ich ins Toastbrot biss, fehlte danach ein Stück. Die Kanne Kaffee passte nicht in meine Tasse: meistens lief diese über, wenn ich es probierte. Wischte ich mir mit der Serviette den Mund ab, war sie sofort schmutzig. Und der Orangensaft roch nach Apfelsinen. Ein Skandal!

    Weiter geht’s mit dem Mittagessen: Die Pasta schmeckte nach Nudeln, der Spinat nach Gemüse und das Filetsteak nach Fleisch. So etwas darf nicht vorkommen. Der Rucolasalat sah aus wie Löwenzahl, die Maiskolben waren schon gelb und der Tomatensalat machte rote Flecken. Außerdem wurde weder Glühwein noch Jagertee ausgeschenkt.

    Noch schlimmer das Abendessen: Es gab kein Müsli, das Sushi war kalt. Der Rotwein kam im Vergleich zu dem Weißwein viel dunkler und schäumte nicht so wie ein frisch gezapftes Bier. Das stille Wasser machte Geräusche, wenn man es eingoss. Auch der Service ließ zu wünschen übrig, wie ein deutsche Gast feststellen musste: Die Kellner aus den Entwicklungsländern reagierten nicht auf sein “Ey”!

    Aber auch an Bord fielen mir viele Dinge auf, für die man die Reederei verantwortlich machen muss. Immer wenn sich meine Landleute nach dem Baden abtrockneten, wurde ihr Handtuch nass. Außerdem zeigte die Waage im Wellness- Bereich drei Kilo zu viel an, zumindest am Ende der Reise. Die Sauna war schwül und heiß, und es roch nach Schweiß. Und dann war der Whirlpool innen feucht. Was mir noch auffiel: Die Massageliegen waren alle waagerecht, was ein echtes Unding ist.

    Auch die Reiseroute - eine einzige Katastrophe. So fuhr das Schiff in Hamburg am Grasbrookkai los, obwohl einige Mitreisende in Wellingbüttel wohnten. In Barcelona
    lag es im Hafen und nicht an den Ramblas. Und in Palma fuhr es tatsächlich nicht bis zum Flughafen vor. Wer ist für so was verantwortlich? Zweihundert Gäste hat die Reederei verloren. Sie haben gedroht: “Wir werden nicht mehr auf dieses Schiff gehen!”

    Das ist keine Drohung - das ist eine Hoffnung.